"INTERVIEW PODCAST "CHAMPAGNE TALK" Folge 02

mit MMag.a Barbara Eibinger-Miedl

YS: Herzlich Willkommen zum Champagne Talk – “für unsere Gäste nur das Beste!” Ich bin Yvonne Sammer und spreche im Interview mit erfolgreichen Frauen über ihre Lebenserfahrungen und wie sie es bis an die Spitze geschafft haben.

Heute begrüße ich MMag.a Barbara Eibinger-Miedl, steirische Landesrätin für Wirtschaft, Tourismus, Regionen, Wissenschaft und Forschung. Sie lebt in Graz, ist Mutter einer Tochter und verheiratet.

Danke für das Interview, schön, dass  Sie da sind.

EM: Vielen Dank für die Einladung, ich finde das eine großartige Initiative.

YS: Woher kommt Ihr persönliches Interesse, sich politisch zu engagieren?

EM: Ich habe das definitv von klein auf inder Familie mitbekommen, bei uns ist am Küchentisch politisiert worden. Es waren beide Großväter schon Mitglied im Gemeinderat auch mein Onkel war dann Gemeinderatsmitglied. Ich habe sehr früh mitbekommen, dass man sich engagieren soll, dass man mitreden soll und dass man mitgestalten soll.

YS: Ein guter Zugang, wir haben ja vieles selbst in der Hand. Ihr Arbeitsalltag ist wahrscheinlich durch viele Termine bestimmt. Wie kann man sich das vorstellen, wie schaut denn so ein Alltag von einer Politikerin aus?

EM: Der Arbeitsalltag ist sehr intensiv, wobei man unterscheiden muss zwischen der Zeit vor der Corona Pandemie und jetzt, denn vor der Corona Pandemie war es eine 7 Tage Woche, wo man an den Wochenenden sehr viel auf Veranstaltungen unterwegs war, wo eigentlich auch jeder Abend mit Veranstaltungen ausgefüllt war. Seit Corona hat sich das geändert. Wir stecken jetzt sehr viel Zeit in Videokonferenzen, sehr viel in interne Abstimmungen,aber was sich nicht geändert hat ist, dass ich sehr dicht durchgedaktet bin, dass ich eigentlich wochenlang im Voraus mit Terminen verplant bin und das war etwas, woran ich mich erst gewöhnen musste. Als ich in der Regierung angefangen habe, ist da schon ein Level dazugekommen, das ich so vorher nicht gekannt habe. Aber es ist unglaublich abwechslungsreich, man hat sehr viel mit unterschiedlichen Menschen zu tun und es macht mir große Freude

YS: Sie haben eine Tochter und sind verheiratet. Viele denken, man müsse sich zwischen Kind & Karriere entscheiden. Wie sind da Ihre Erfahrungen dazu, wenn Sie sagen Ihre Woche ist beruflich gesehen voll durchgetaktet?

EM: Meine Erfahrung ist, dass es nur gemeinsam geht. Wenn beide Elternteile ihre Verantwortung übernehmen und beide in gleichem Maße zur Erziehung beitragen, dann funktioniert es. Und das bedeutet, dass natürlich beide ein wenig zurückstecken müssen – in meinem Fall phasenweise mein Mann sogar mehr als ich – aber anders wäre es nicht möglich gewesen. Ich freue mich aber, dass ich sehe, dass immer mehr junge Väter diesen Zugang haben und ihr Kind gemeinsam aufwachsen sehen möchten und auch miterleben möchten, wenn die ersten Schritte gemacht werden oder wenn das erste Essen zu sich genommen wird. Da ist eine Vätergeneration schon am Werk, die es den Frauen meines Erachtens leichter macht als in früheren Generationen.

YS: Was würden Sie aus Sicht derPolitikerin, Ihrer Tochter mit auf den Weg geben?

EM: Ich würde auf jeden Fall schauen, dass sie eine gute Ausbildung macht und dass sie eine Ausbildung abschließt. Und ich möchte ihr mitgeben, dass es nicht unbedingt ein Hochschulstudium sein muss sondern, dass es auch eine handwerkliche Ausbildung sein kann. Wichtig ist glaube ich, dass man die eigenen Talente und Fähigkeiten kennen lernen muss und dann einen entsprechenden Ausbildungsweg gehen soll. Nur dann kann man meines Erachtens auch einen glücklichen Lebensweg führen. Und dass man sich nicht unterkriegen lassen sollte, sich selber treu bleiben sollte und dass man bodenständig bleiben sollte.

YS: Stichwort sich nicht unterkriegen lassen: Sie haben sich in einer Männerdomäne an der Spitze positioniert. Innerhalb der Parteien und auch in den Medien merkt man oft ein rauen Umgangston zwischen den Parteikolleginnen und Kollegen. Wie gehen Sie damit um?

EM: Ich glaube, dass das einerseits sehr unterschiedlich ist, was die Bundesebene und die Landesebene betrifft. Ich nehme das Klima in der Landespolitik als besser wahr als es beispielsweise bei der Nationalratssitzung der Fall ist. Ich habe das Gefühl, dass man in der Steiermark natürlich auch unterschiedliche Meinungen vertritt und es da und dort zur Sache geht aber dass man meistens mit sachlicher Kritik rechnen kann. Was natürlich unangenehm ist, ist wenn man unter der Gürtellinie angegriffen wird – aber da muss ich für mich persönlich sagen, das hab ich noch selten erlebt. Ichhab auch oft das Gefühl “Wie man in den Wald hineinruft, so kommt`s auch hinaus.” Ich versuche auch Politikerinnen und Politiker der anderen Parteien einzubinden, ernst zu nehmen, ihre Meinung zu hören und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ich glaube das macht schon sehr viel aus, weil inhaltlich kann man ja Unterschiede haben aber man muss deshalb nicht auf persönliche Angriffe übergehen.

YS: Im Endeffekt an einem Strang ziehen und an einer Sache dran bleiben. Wie Sie auch sagen mit unterschiedlichen Meinungen und Zugängen.

EM: Man versucht Mehrheiten zu finden, es wird nicht immer gelingen aber wie gesagt es ist ein Unterschied ob man politisch andere Ansichten hat oder ob man Menschen persönlich angreift.

YS: Wie ist das für Sie? Sind in der Öffentlichkeit unterwegs und auf social media vertreten. Hätten Sie vielleicht einen Tipp für Frauen, die damit hadern die Stimme zu ergreifen und sich hin zu stellen und zu sagen “Hallo, da bin ich, das mach ich, das kann ich!”

EM: Auch ich bin da über die Jahre hineingewachsen. Ich glaube, dass es für viele Frauen und wahrscheinlich war es auch für mich am Anfang so, dass es eine gewisse Überwindung bedeutet, sich auf eine Bühne zu stellen oder sich hinaus zu wagen und ein Statement abzugeben.Aber da kann ich nur ermutigen das mit kleinen Schritten zu beginnen. Das kann z.B.  bedeuten, dass man einmal bei einer Podiumsdiskussion eine Frage stellt und sich aus dem Publikum heraus einmal meldet und je öfter man solche Erfahrungen gemacht hat, um so leichter fällt es einem dann auch. Bei mir war das auch so – ich bin ja relativ jung in die Politik eingestiegen und war jemand, der nicht besonders gerne vor anderen Leuten gesprochen hat oder der nicht besonders gerne auf die Bühne gegangen ist. Mittlerweile ist es aber zur Normalität geworden und ich habe es schon so oft gemacht, dass es für mich einfach selbstverständlich ist.

YS: Übung macht den Meister heißt es so schön.

EM: Das ist definitv so. Je öfter man sich in eine Situation hineinbegibt, umso normaler wird sie mit der Zeit. Und es ist einfach so, wenn man die Stimme nicht ergreift und die Themen nicht anspricht, dann wird man auch nichts erreichen können.

YS: Gerade in der Politik ist es wichtig, die Themen anzusprechen und zu besprechen. Gab es für Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn Momente, wo es schwierig für Sie wurde,weil Sie eine Frau sind?

EM: Das einzige was mir dazu einfällt ist, dass ich als Politikerin nicht die Möglichkeit hatte in Mutterschutz zu gehen. Also es gibt überhaupt keine Mutterschutz- oder Karenzregelungen für Frauen in der Politik. Das ist definitvein Nachteil, den man als Frau in der Politik hat. Aber ansonsten habe ich es eher umgekehrt erlebt. Ich hatte in den letzten Jahren in meinem Fall immer wieder die Chance Funktionen zu ergreifen, weil ich eine Frau war. Weil man bewusst Frauen für Funktionen gesucht hat. Und dann liegt es an einem selber ob man es sich`s zutraut und ob man bereit ist, diese Funktionen anzunehmen - und das habe ich getan.

YS: In diesem Sinne, kann Jede und Jeder Politiker und Politikerin werden? Wenn ja, was würden Sie  jungen Frauen raten, die diesen Weg einschlagen und in der Politik Fuß fassen möchten?

EM: Es gibt unterschiedliche Wege, wie man in die Politik einsteigen kann. Es ist entweder so wie bei mir, dass man sich auf Gemeindeebene engagiert und sich einmal bei der entsprechenden Ortspartei oder beim Bürgermeister meldet und sagt:” Ich möchte mitarbeiten und für die Gemeinde etwas bewegen.” Bei mir war dann ein  Schritt nach dem anderen. Oder es gibt auch viele die aufgrund eines Themas politisch engagieren. Gerade heuer zum Beispiel mit Fridays for Future, dem Klimaschutz - da werden politische Parteien auch auf junge Menschen aufmerksam und man wird angesprochen ob man sich nicht engagieren möchte. Aber ich würde einfach jedem raten, wenn man ein Thema hat oder einen Bereich für den man sich interessiert, sich einfach aktiv melden. Ich denke, dass alle politischen Parteien froh sind, wenn sich junge Menschen zur Verfügung stellen, weil auch da immer wieder Nachwuchs gefragt ist.

YS: Vor 100 Jahren durften Frauen in derSteiermark zum 1. Mal wählen und gewählt werden. Nach wie vor sind Frauen in politischen Funktionen besonders stark unterrepräsentiert. In Österreich gab es bisher noch nie eine Bundespräsidentin und in den knapp 300 steirischen Gemeinden finden wir lediglich 22 Bürgermeisterinnen.

Da fragt man sich ja “Wo sind die Frauen, wenn Entscheidungen getroffen und Gesetze beschlossen werden, die unser aller Lebenswelt betreffen?” Mehr Mitbestimmungwäre wahrscheinlich durch eine höhere Frauenquote möglich.

Warum ist es nicht möglich, per Gesetz, es zu verpflichten, dass wir eine Frauenquote festlegen?

EM: Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat. Wenn wir jetzt - von den Spitzenpositionen wie Bundeskanzlerin, Bundespräsidentin  absieht oder auch Landeshauptmann – sieht man, dass wir gerade auf Landesebene in den Landtagen mittlerweile sehr viele Frauen haben. Gerade auch im Landtag Steiermark und auch im Nationalrat oder in derBundesregierung. Dasselbe gilt bei den Ortsparteien, wo gottseidank immer mehr Frauen auf die Liste gehen. Aber wo ich zustimme ist, dass wir bei den ersten Positionen noch viel zu wenige Frauen haben. Meine Erfahrung ist leider auch, dass viele Frauen von sich aus das ablehnen. Warum auch immer -  vielleicht weil die Vereinbarkeit von Berufund Familie dann eine schwierige ist. Viele Parteien legen sich selber schon eine Frauenquote auf oder auch ein Reißverschlusssystem. Das zeigt auch entsprechende Wirkung. Warum es gesetzlich nicht möglich ist, das hat in Österreich und in Europa insgesamt verfassungsrechtliche Bestimmungen, die dagegen sprechen. Es gab beispielsweise deutsche Bundesländer, die haben eine Frauenquote eingeführt -  das wurde aber vom Verfassungsgerichtshof wieder gehoben. Das hat damit zu tun, dass wir in Österreich ein aktives und passives Wahlrecht haben. Das heißt, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher die Chance haben soll, in ein Gremium gewählt zu werden. Der Staat sollte hier aufgrund der Verfassung sehr wenige Vorgaben machen - bei uns ist vor allem das Wahlalter entscheidend. Darüberhinausist es als nicht akzeptabel gesehen, dass man beispielsweise sagt  “es muss dieses Geschlecht sein.” Oder man könnte sagen “es muss dieser ethnischer Herkunft sein.” Also da spielt derzeit das Verfassungsrecht nicht mit.

YS: Im Grunde sollte es ja eh nicht um die Biologie gehen sondern um Kompetenz, Leistung, Einsatzbereitschaft, Engagement und aktives Mitgestalten in der Gesellschaft.

EM: Das ist der Punkt. Jemand, der für sich beispielsweise so und so viele Vorzugsstimmen erreicht, der soll dann auch aufgrund des passiven Wahlrechtes den Platz im Gremium bekommen.

YS: Reden wir noch kurz über den Gender Pay Gap, ein viel diskutiertes Thema. Eigentlich heißt es ja „gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“, dennoch verdienen vollzeit beschäftigte Frauen in Österreich im Durchschnitt um 20% weniger als ihre männlichen Kollegen - auch wenn sie gleich oder besser ausgebildet sind. Und wir wissen ja auch, dass viele Frauen später in der Altersarmut landen, weil ja unser Erwerbsleben die Pension abbildet. Wieso schafft man es auch hier wieder nicht - per Gesetz - diese Lücke zu schließen?

EM: Das ist ein Thema das mich auch schon lange beschäftigt und wirklich ärgert, dass wir hier so wenig weiterkommen. Gesetzlich ist alles klar geregelt via Gleichbehandlungsgestz. Es darf gesetzlich keinen Unterschied machen, wenn du in der gleichen Position bist ob du Mann oder Frau bist. Es darf der Arbeitgeber hier nicht diskriminieren. Aber diese Quoten oder dieser Pay Gap die es gibt, ergibt sich daraus, dass unterschiedliche Branchen angeschaut werden oder dass ein Querschnitt über alle Branchen genommen wird. Und es ist der Faktum, dass Frauen immer in ähnlichen Berufen tätig sind. Das ist der Bildungsbereich, der Pflegebereich – das sind alles Berufe, die in Summe gesehen schlechter bezahlt werden. Und ich glaube da müsste der Ansatz sein, dass man auch mit den Sozialpartnern gemeinsam hinschaut “warum gibt es Berufe,die höher bezahlt sind.” Vor allem technische Berufe und andere Berufe, wie beispielsweise im Kindergartenbereich, wo das Wertvollste das wir alle haben - nämlich unsere Kinder - betreut und ausgebildet werden, warum ist diese Arbeitweniger wert als die andere. Ich glaube da braucht es eine politische Diskussion und da braucht es auch die Sozialpartner dafür, die ja die Lohnverhandlungen machen.

YS: Und vielleicht auch schon im Rahmen des Bildungsweges zu schauen, auch mehr junge Burschen dafür zu begeistern in typische Frauenberufe zu gehen und umgekehrt vielleicht auch Frauen typische Männerberufe aufzuzeigen.

YS: “Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung” sagte schon der Philosoph Heraklit. Corona – Sie haben es heute schon kurz angesprochgen – hat unsere Arbeitswelt und unser Leben auf den Kopf gestellt. Wie reagieren Sie persönlich auf herausfordernde Situationen, die neue Denkweisen und Handlungen erfordern?

EM: Ich glaube das ist in der Politik naturgegeben, man wacht in der Früh auf und weiß oft nicht was der Tag bringt. Es kann eine Zeitungsmeldung sein, die den ganzen Tagesablauf durcheinander bringt oder es kann irgendwo ein Ereignis passiert sein. Das heißt, dass wenn man in der Politik tätig ist, muss man meiner Meinung nach eine gewisse Flexibilität mit sich bringen. Ich persönlich bin vom Typ her auch jemand, der Veränderungen grundsätzlich offen gegenüber steht. Also ich habe persönlich mit Neuem keine großen Probleme und ich hoffe, dass mir das jetzt gerade auch in diesen Monaten hilft, wo man sich auf so viel Neues einstellen muss.

YS: Krise als Chance sagt man immer wieder oder hört man immer wieder und denoch stellt man sich die Frage – Sie sind ja Wirtschaftslandesrätin – wie sollen und können Unternehmer und Unternehmerinnen eine Corona Krise überstehen – auch wenn es jetzt seitens des Staates Hilfspakete gibt?

EM: Ja der Lockdown im Frühjahr war eine Situation, die wir uns alle nicht vorstellen hätten können und hat vor allem die Unternehmerinnen und Unternehmervor riesen Herausforderungen gestellt. Man hat mit staatlichen Hilfen versucht, dass man Liquidität bereit stellt und über diese ersten Monate hilft. Gottseidank sind nach dem Wiederaufsperren ab Mai/Juni die Umsätze in die Höhegegangen. Also diese Rückmeldung haben wir von den Unternehmerinnen und Unternehmern erhalten. Leider sind wir jetzt in einer 2. Welle, mit einem 2. Lockdown, der für viele noch schmerzhafter ist als der erste und ich bin sehr froh, dass die Bundesregierung weitere Instrumente vorgestellt hat, wo mit einem Fixkostenzuschuss und einem Umsatzersatz den Unternehmen unter die Arme gegriffen wird. Also es ist eine sehr schwierige Zeit, aber wir versuchen seitens der öffentlichen Hand - neben diesen Hilfsmaßnahmen - auch Zukunftsinvestitionen in die Wege leiten zu helfen. Indem wir auch unterstützen, dass man beispielsweise online shops errichtet, die für den Handel ganz wichtig sind oder dass man online Portale gemeinsam mit mehreren Gewerbetreibenden errichtet. Da versuchen wir seitens der öffentlichen Hand diese schwierige Zeit auch als Chance für danach zu ergreifen.

YS: Das heißt jede und jeder ist gefragt, kreativ zu werden und etwas Neues zu beginnen. Trotzdem fragt man sich: "Wie kann das sein - mein Konto hat ja auch einen Überziehungsrahmen - dass ein Staat  so viel  Geld auf die Beine stellt ? Gibt es da irgendwo eine Druckmaschine, die man anwirft?"

EM: Ja da kann man nichts schön reden. Die Schuldenquote geht natürlich nach oben und wir werden noch viele Jahre an der Bewältigung dieser Wirtschaftskrise, die es letztlich geworden ist, auch zu arbeiten haben. Auf Bundesebene ist in den letzten Jahren gelungen, dass man die Budgets sehr gut hingebracht hat. Es wurde auch viel in die Budgetsanierung gesteckt und das nützt uns jetzt und ich hoffe, dass, wenn die Wirtschaft wieder anspringt, wir auch entsprechend diese Schulden wieder angehen können. Oder einen entsprechenden Schuldenabbau wieder angehen können. Aber ja, es werden keine leichten Jahre.

YS: In der Politik ist es immer wieder so, dass es Vorfälle gibt oder auch Skandale, wo man sich dann vielleicht fragt: "Wie kann das sein, darf sich ein Politiker oder eine Politikerin alles erlauben, ohne jegliche Konsequenzen?”

EM: Auf keinen Fall. Ich glaube an Politiker werden zu Recht höhere Maßstäbe gesetzt als es für Bürgerinnen und Bürger gesetzt werden. Ich hatte das Gefühl, dass in den letzten Jahren gerade durch prominente Gerichtsprozesse sehr wohl das eine oder andere Exempel statuiert worden ist. Natürlich muss man immer achtsam sein und schauen, dass der Glaube an die Politik nicht verloren geht.

YS: Es ist wahrscheinlich auch nicht leicht in der Öffentlichkeit zu stehen und die Interessen der Bevölkerung zu vertreten und zu schauen, dass es letztendlich für alle gut passt.

EM: Ich glaube Politik zu machen ist das eine und jeder sollte sich hier redlich bemühen und wenn es schwarze Schafe gibt, die das nicht tun, dann muss es sofort Konsequenzen geben.

YS: Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft. Wo geht es Ihrer Meinung nach wirtschaftlich und politisch in den nächsten Jahren hin?

EM: Was wir in den letzten Monaten ganz klar gesehen haben ist, dass diese Corona Pandemie im Bereich der Digitalisierung einen richtigen Schub ausgelöst hat. Es ist dort innerhalb weniger Wochen so vieles auf digital umgestellt worden, was sonst Jahre dauern würde. Denken wir an Home Schooling, denken wir an Videokonferenzen im berufl. Umfeld – da ist vieles gekommen, um zu bleiben. Oder denken wir, wie viele Dienstreisen früher durch ganz Europa gemacht wurden, wo man heute sagt, das könnte man eigentlich auch online machen.

Ein zweiter Bereich, den wir seitens der Politik sehr aktiv forcieren ist, dass wir diese Krise auch als Chance nutzen, um grüne Technologien zu forcieren, weil das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist jetzt wahrscheinlich nicht unbedingt das Hauptaugenmerk der Bevölkerung aber wir haben den Klimawandel in den nächsten Jahren zu bewältigen und da gilt es jetzt schon die richtigen Investitionen dafür zu setzen.

YS: Was wünschen Sie sich von der Bevölkerung aus Sicht der Politikerin?

EM: Normal ist es immer umgekehrt, normalerweise kommen die Wünsche immer an mich. Wenn ich jetzt an die aktuelle Situation denke, dann wünsche ich, dass möglichst viele mithelfen, dass wir die Infektionszahlen von Corona wieder hinunter bekommen. Es ist jetzt für uns alle hart, jeder Einzelne hat Einschränkungen, man kann vielleicht die Eltern oder Großeltern nicht sehen, aber es hängt unser Leben  wie wir es vorher geführt haben -die ganzen Wirtschaftskreisläufe - alles hängt derzeit daran, ob wir die Infektionszahlen niedrig halten können.

YS: Da sind wir alle gefragt, unser bestes zu geben. Zum Abschluss bitte die Sätze zu vervollständigen:


Am liebsten esse ich… was mein Mann mir kocht.

Die beste Entscheidung meines Lebens war… eine Familie zu gründen.

Ich verlasse das Haus nie ohne… mein Handy.

Erfolg heißt für mich… die Ziele, die ich mir gesteckt habe, zu erreichen.

Humor ist für mich... etwas ganz Wichtiges im Leben, um auch schwierige Situationen meistern zukönnen.

Meine letzten Worte sollen sein… so wie es war so ist es gut.

Traurig bin ich wenn… fachlich richtige Dinge keine Mehrheiten bekommen.

Meinem Kind will ich mit auf dem Weg geben… bodenständig bleiben, Respekt gegenüber anderen zeigen und Verantwortung fürdas eigene Leben übernehmen.

Älter werden heißt… auch reifer zu werden und Dinge vielleicht anders zu sehen. Auf jeden Falleine spannende weitere Lebensphase.

Zuletzt gelacht habe ich als… ich lache sehr oft über meine kleine Tochter, sie bringt mich mit unterschiedlichsten Dingen zum Lachen.

Wenn ich nicht Politikerin geworden wäre, dann… dann wäre ich im eigenen Familienunternehmen tätig.


Vielen DANK für den Einblick in den Alltag einer Politikerin und für das interessante Gespräch.

Graz, November 2020

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