"DER SCHLIMMSTE FEHLER VON FRAUEN

IST IHR MANGEL AN GRÖSSENWAHN!" Irmtraud Morgner

GG: Frau Sammer, Sie coachen Geschäftsfrauen, die auf der beruflichen Erfolgsspurschneller vorankommen wollen. Warum brauchen gerade Frauen im Businesskontext Unterstützung?

YS: Unsere Wirtschaft wird von Männern, Zahlen und Bilanzen bestimmt, denn wäre es eine „gleichberechtigte“ Welt, würden Frauen die Hälfte aller Unternehmen und Länder führen und Männer die Hälfte aller Haushalte. Wollen Frauen Karriere machen und sich beruflich verwirklichen? Ja, auf jeden Fall! Doch aufgrund der Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft, stehen wir noch immer vor komplexen Herausforderungen und scheinbar unüberwindbaren Hindernissen. Wie zum Beispiel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dem Gender Pay Gap, den schlechten Aufstiegschancen in männlich besetzten Führungsebenen und der großen Gefahr, in der Altersarmut zu landen.


GG: Wie kamen Sie auf die Idee zum „Women´s Business Tuning?“

YS: In meinen Rhetorik Trainings habe ich extrem oft beobachtet, dass Frauen – im Gegensatzzu den selbstbewusst auftretenden Männern - eher zurückhaltend sind, sich nur ungern ins Rampenlicht stellen und sogar an ihrem Können zweifeln. Dabei fehlt es Frauen oftmals nicht an Kompetenz, sondern an Sichtbarkeit und Mut, ihr Know-How und ihre Erwartungen mit starker Stimme zu äußern und Chancen zu ergreifen. Wie beim Tuning eines Autos schrauben wir in meiner Werkstatt am persönlichen Profil, bringen individuelle Stärken zum Vorschein und mehr Power in die Performance. Egal ob Hearing, Unternehmenspositionierung, Gehaltsverhandlung oder InvestorInnen-Pitch – bereite dich vor, denn wenn es um´s "Big Business" geht sollten wir unsere Wirkung nicht dem Zufall überlassen.


GG: Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit Frauen mehr Erfolg im Beruf und Männer mehr Erfolg zu Hause haben?

YS: In erster Linie sollte es nicht um unsere Biologie gehen, sondern um die Frage „was wäre ein Gewinn für uns alle?“ Vor allem die Corona Krise hat sozialeUngleichheiten offen gelegt und Frauen wieder stärker in klassische Rollenbilder zurück gedrängt. Wir wissen zwar, es gibt noch viel zu tun - doch wer redet schon gerne über Probleme? Solange wir in einer Gesellschaft leben in der mehr Männer das Sagen haben, die Mehrheit der Politik sich nicht für frauenrelevante Themen interessiert und „Frau“ im System halbwegs gut funktioniert – finden Veränderungen nur im Schneckentempo statt.

Sowohl soziale Errungenschaften als auch persönliche Karrierefortschritte hängen davon ab, wie sehr wir uns für sie einsetzen und wie wir individuell agieren. Daher mein Appell an alle Geschäftsfrauen da draußen: „Nimm dein Selbstmarketing in die Hand, zeige was du drauf hast und bring deine PS auf die Straße!“