INTERVIEW mit Eva Poleschinski

YS: Herzlich Willkommen zum Champagne Talk – “für unsere Gäste nur das Beste!” Ich bin Yvonne Sammer und spreche im Interview mit erfolgreichen Frauen über ihre Lebenserfahrungen und wie sie es bis an die Spitze geschafft haben.

Heute begrüße ich Eva Poleschinski. Als Couture Designerin sind ihre Kollektionen international auf den Fashion Weeks in New York, Paris, Berlin, Zagreb und Tokio zu sehen – sowie am Red Carpet bei der Oscarverleihung und den Golden Globes. Ihre extravaganten Roben finden sich unter anderem in TV Shows und in Modemagazinen wie der “Vogue, Elle und Madame” wieder. 2014 wurde Frau Poleschinski im Rahmen der Vienna Awards for Fashion & Lifestyle zur „Designerin of the Year“ gekürt.

Herzlich willkommen – ich freue mich sehr, dass Sie heute da sind.

Eva Poleschinski: Danke und ich freue mich, heute etwas aus meinem Leben und als Designerin erzählen zu dürfen.

YS: Woher kommt eigentlich Ihre Passion für Mode und schöne Kleider? War das schon in Ihrer Kindheit ein Thema?

Eva Poleschinski: Ich war in dem Bezug sehr geprägt von meinem Umfeld wie ich aufgewachsen bin, weil bei uns zu Hause eigentlich immer das Handwerk sehr im Fokus war. Man hatte eine Bedeutung und eine Wertschätzung dafür. Meine Großmutter war ein sehr sparsamer Mensch, sicher auch durch die Nachkriegszeit bedingt, hatte aber eine irrsinnige Freude mit Kleidung. Wenn sie aus Wien mit einem schönen Stück Stoff gekommen ist und diesen vor dem Spiegel hingehalten hat, dann war das für mich so, dass ich eine Faszination für diese Thematik verspürt habe. Insofern war es für mich sehr früh klar, dass ich auch in diese Richtung gehen möchte.

YS: Was würden Sie jungen Frauen raten, die diesen Weg gehen möchten, den Sie eingeschlagen haben, in die Modebranche einzusteigen?

Eva Poleschinski: Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man rational weiß worauf man sich einlässt, aber dass man auch nach dem Bauch handelt. Ich bin wirklich der Überzeugung, dass - wenn man etwas spürt - man es tun sollte und dass man es auch macht. Ich habe mir immer gedacht:“Bin ich lieber einmal mehr gescheitert, als hätte ich es nicht probiert.”

Ich glaube auch erhlicherweise, wenn man wirklich in sich spürt, dass man etwas tun soll - und egal wieviele Argumente dagegen sprechen auf der Pro und Contra Liste -

dann macht man es, weil man es machen muss und für sich machen muss.

Ich glaube das ist das Wesentliche und sich selber treu bleiben. Sich vielleicht auch nicht von einem zu schnellen Wachstum blenden lassen. Ich glaube es ist total wichtig, sich auch immer wieder einen Schritt vom Spiegel weg zu bewegen. Ein ehrliches Umfeld ist 10x wichtiger, Loyalität und Handschlagqualität bringen dich im Endeffekt immer weiter.

YS: Dass es sich lohnt dran zu bleiben, das haben Sie gezeigt mit Ihrem kreativen Weg und Ihrer Mode. Sie präsentierten Ihre Kollektionen auf der Fashionweek in Berlin, New York, Paris, Tokio und Zagreb. Wie definieren Sie persönlich den Begriff der “Mode”?

Eva Poleschinski: Für mich ist Mode eine persönlicheAusdrucksformel. Es ist ein Zeitgeist, es spiegelt immer auch eine Zeitgeschichte wieder und es ist für mich ein Endprodukt von Kreativität, guter Qualität, von Design, Lebensgefühl und Lebensfreude.

YS: Speziell die Haute Couture, was verstehen Sie darunter und wie würden Sie das beschreiben?

06:40: Ich bin sehr froh über die Frage. Haute Couture wird oft in Zusammenhang gebracht mit eleganter Mode, aber das ist es ja nicht.

"Haute Couture ist die hohe Handwerkskunst.

Sehr basierend auf top Qualität, auf top Handwerk und sehr viel Handarbeit."

YS: Qualität hat auch seinen Preis und soll auch so sein. Wo beginnt hier die Preisspanne und wo endet sie, wenn man sich oft denkt “Haute Couture oder auch Handwerkskunst speziell im Design – kann sich das Jede oder Jeder  leisten?”

Eva Poleschinski: Es ist total schwer fest zu machen, weil die Couture Teile die ich zeige, sind in Wahrheit ein Portfolio, um zu zeigen, was ich handwerklich drauf habe und mein Stil. Das, was mir wichtig ist und als Credo da ist, ich will individuelles Design und Fertigung anbieten.

Das heißt, basierend auf den Teilen, die man in den Medien sieht oder in den Inszenierungen von mir kommen Kundinnen zu mir und haben ganz individuelle Bedürfnisse. Zugeschnitten darauf arbeiten wir. Es geht natürlich von bis, aber es ist auch abhängig von dem, wie viel Arbeit steckt drinnen, welche Materialien werden verwendet.  

YS: Warum sind es für Sie diese pompösen und ausgefallenen Roben und nicht Jeans mit Nieten oder Lederjacke geworden? Wo ist da für Sie diese Faszination oder ein Stück weit  "Prinzessinnen Gefühl"?

Eva Poleschinski: Was mich an der Couture und an dieser Richtung, die ich eingeschlagen habe gefällt ist, genau das, was es meinen Kundinnen gibt. Das Gefühl der Trägerin, dieser Märchen-Moment. Auch bei einem Hochzeitskleid ist für mich die Messlatte ob man Erfolg hat oder nicht, wenn eine Kundin vor einem steht und sagt “Ich will dieses Kleid nie mehr ausziehen!” Dann ist es einerseits speziell genug, um dem Anlass gerecht zu werden – spiegelt aber wiederum sie soweit wieder, dass sie sich zu 100% wohl fühlt. 

Egal welche Kundin das jetzt ist, ich mag es einfach, wenn Kundinnen vor mir stehen und strahlen und sagen “Wow, das ist ein Wahnsinn – ich fühle mich wie eine Prinzessin!” Und genau das ist es, was es für mich ausmacht. Ich mag auch an der Couture diese Feinarbeit, diese Liebe zum Detail, dieses Material mixen können. Es ist jedes mal wie eine weiße Leinwand und dann kreiert man. Das ist auch das Schöne.

YS: Sie haben es schon angesprochen, es sind Einzelstücke und Sie verwenden Materialien wie Federn, Blüten, Swarovskisteine. Wodurch unterscheiden Sie sich von allen anderen in der Branche? Woran würden Sie das fest machen?

Eva Poleschinski: Es braucht auch einen Entwicklungsprozess bis man sich die eigene Handschrift erarbeitet hat und ich glaube, dass ich diese auch habe. Wierderum ist es total wichtig, dass man immer wieder eine Schippe drauflegt und man sich auch entwickelt. Es liegt so viel Persönlichkeit in jedem Kleidungsstück, dass es natürlich den eigenen Persönlichkeitsweg wiederspiegelt. An dem arbeitet man einfach von Design zu Design, dass es diese Unverwechselbarkeit hat. Es ist auch immer wieder ein schönes Kompliment, wenn ich höre “Ich habe mir etwas im Fernsehen angeschaut und es war dein Design.” Ja man braucht nicht darüber zu reden, es ist deine Handschrift. Ich glaube auch, dass es das ist, was mir auch wichtig ist und da bin ich 2014 auch einen anderen Weg gegangen.

Es gibt natürlich dieses vorgegebene Modediktat wann welche Dsignerkollektion wie zu sein hat. Ich mache meine Kollektionen, wenn ich inspiriert bin und nicht, wenn ich muss. Ich glaube, dass auch dadurch sehr viel Ehrlichkeit in den Designs steckt.

YS: Stichwort: Inspiration. Man sagt, Karl Lagerfeld habe seine Kollektionen im Traum gesehen und diese frühmorgens zu Papier gebracht. Wann ist so dieser Moment der Inspiration - “Jetzt ist es da” - und fangen Sie an, zu zeichnen?

Eva Poleschinski: Ich habe 2 Hauptinspirationsquellen, das ist auch kein Geheimnis. Das ist einerseits natürlich das Umfeld das mich umgibt und ich lasse mich sehr gerne von der Natur inspirieren. Wenn ich in so außergewöhnlichen Landschaften stehe, sehe ich einfach diese Bilder. Was es für einen Spirit haben muss das Kleidungsstück, wie sich das Kleid vielleicht bewegen muss, was es für Details haben muss. Ich sehe das eher, wenn ich in einer außergewöhnlichen Landschaft stehe und dann ist das Bild fertig.

YS: Wie kann man sich das dann vorstellen? Ab dem Moment wo es zu Papier gebracht worden ist, bis hin zu “Es ist soweit, dass ich es tragen kann.” Dieser Entstehungsprozess, ist dieser unterschiedlich und je nachdem mit welchen Materialien man arbeitet?

Eva Poleschinski: Es ist total unterschiedlich. Zum Beispiel Zoe vom Eurovision Song Contest hatte ein Kleid, das ist innerhalb von 2 Tagen entstanden, weil es so schnell gehen musste. Natürlich ist das jetzt nicht die Traumvorstellung, weil man dann auch andere Möglichkeiten hat, sage ich ganz ehrlich. Also wenn man Teile hernimmt, die wirklich opulent bestickt sind, dann braucht das einfach die Zeit. Ich bin auch was Materialien betrifft so ein Jäger und Sammler. Da es ja keine serielle Fertigung in der Couture hat, brauche ich ja auch keine 500 Meter Stoff pro Teil. Ich kann mir wirklich auch die Steine zusammen suchen und ich habe auch einige Teile da, die mit Halbedelsteinen bestickt sind. Insofern kann man da lebende Teile kreieren.

YS: Bis eine Kollektion fertig ist und man sich auf einer Fashion Week wieder findet, die Kleider getragen und gezeigt werden - wie viele Leute braucht es dafür? Wer gehört zu Ihrem Team und mit wem arbeiten Sie zusammen?

Eva Poleschinski: Es sind eben ganz viele Faktoren und natürlich bin ich der Frontplayer von meinem Team, aber es braucht und hat auch immer gebraucht ein sehr fundiertes und loyales gutes Team, das habe ich vorhin schon angesprochen. Es braucht die Handwerker, die Schnittechniker, auch die Corinn, die Ihr heute schon kennen gelernt habt. Von Anfang an, war ich in den besten Händen was die PR Arbeit betrifft – man braucht wirklich Leute, die einen blind verstehen.

“Ich glaube, dass es auch wichtig ist, dass man als kreativ Schaffender und als Unternehmer von Leuten umgeben ist, die loyal sind aber auch deine Message vertreten und sie so vertreten, wie man es selber möchte.

Da habe ich das Glück, ein sehr tolles Team zu haben."

YS: Wie schafft man es mit einem Kleid in die Vogue? Ruft man da an, wird man da angerufen? Wie kann man sich das vorstellen?

Eva Poleschinski: Es ist unterschiedlich natürlich. Am Anfang – ich bin jetzt seit 13 Jahren selbständig – muss man irrsinnig viel laufen, dass man Kontakte bekommt. Was das tolle bei diesen Geschichten oft ist, ist dass es eine Mundpropaganda gibt. Ich glaube die beste Werbung ist die, wenn dich jemand ehrlich empfiehlt und nicht weil es fancy ist oder weil es bezahlt ist. Wenn jemand sagt, die macht gute Arbeit, die hat ein Gespür für Leute, die macht dir was Schönes, da bist du gut beraten. Auch so funktioniert es bei den Magazinen wie der Vogue oder Elle. Heute haben wir ein Paket zu Harper´s Bazar geschickt. Ich freue mich auch immer über diese Anfragen, weil es wiederum eine Bestätigung ist, dass man es richtig macht und dass man auch innovatives Design bietet.

YS: Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie zurückblicken, wie Sie Ihren Weg gegangen sind?

Eva Poleschinski: Also ich muss ehrlich sagen, ich bin stolz, wie sich alles entwickelt hat. Mir war von Anfang an klar, dass es die einzelnenSteps braucht und ich bin auch stolz nach dem letzten Jahr, wie es mit Corona losgegangen ist. Da war es relativ schnell klar, dass es meine zwei Kernbereiche extrem trifft. Das sind einerseits die Hochzeiten und auch die Ballsaison und ich bin irrsinnig froh, wie wir da durchgegangen sind. Dass es auch immer wieder weitergeht ist das Schöne und da muss ich auch ehrlich sagen bin ich echt froh, dass ich nicht erst seit 2 Jahren selbständig bin. Weil du nach 13 Jahren eine andere Basis hast, andere Stammkunden hast - und es war schon toll zu sehen, wie groß die Unterstützung und der Support waren.

YS: Corona hat das Unternehmertum bei vielen verändert. Es zwingt uns kreativ zu werden und neue Wege zu gehen. Wo geht die Reise in die Zukunft hin?

Eva Poleschinski: Fangen wir einmal so an: "Wo geht meiner Meinung nach die Reise der Modebranche hin?" Was mein Brief ans Christkind wäre, dass die Wertschätzung dem Handwerk gegenüber und der lokalen Produktion wieder größer wird.

Ich finde vor Corona war es eigentlich so ein Fass ohne Boden. Es war noch schnelllebiger, noch mehr, noch kurzzeitiger. Ich würde mir wünschen, dass da mehr Leute wieder genauer hinschauen auf das “Wie ist das Einkaufsverhalten und was kaufe ich mit welcher Motivation.” Ich glaube, dass das sehr wichtig ist, denn es war jetzt schon sehr viel Corona aber wenig Klimaschutz. Der Klimaschutz ist auch ein Riesenthema und da ist einfach die Textilbranche ein ganz wichtiger Bestandteil, wo man ansetzen muss. Insowfern glaube ich, dass die Reise auch dahin gehen sollte in Richtung nachhaltiger, bewusster. Da gibt es ganz bald auch von Eva Poleschinski etwas.

YS:  Da sind wir schon gespannt darauf. Sie haben es schon kurz angesprochen. Auf der einen Seite ist es das Verhalten der Kundinnen und Kunden und auf der anderen Seite ist aber ganz stark "Fair Fashion" zu beobachten und der Gedanke der Nachhaltigkeit in der Mode. Wie beschreiben Sie “Fair Fashion?"

Fair Fashion heißt für mich:

"Bewusstsein für das Konsumverhalten, lokale Produktion, ausgewählte Materialien - die auch fair gefärbt sind - und kurze Produktionswege, wenig Transport.

YS: Wer sind Ihre Vorbilder in der Modebranche, in der Welt der Mode?

Eva Poleschinski: Vorbilder gibt´s viele. Wo ich definitiv sprachlos war, war als ich Georgio Armani getroffen habe. Weil es für mich während meiner Ausbildung eine Inspiration war, wie er sein Business macht. Als er dann vor mit stand und sagte “Ihr Kleid ist richtig schön” - und es war ein Kleid von mir – da war ich sprachlos obwohl mir das selten passiert.

YS: Als Designerin ist man viel unterwegs und steht oft im Rampenlicht. Wie ist das in der  Partnerschaft, wenn die Frau eine erfolgreiche Karriere macht? Wie ist das bei Ihnen, wie haben Sie das erlebt?

Eva Poleschinski: Ich habe gottseidank einen Partner und einen Mann, der mich von Anfang an sehr unterstützt hat, für das was ich mache, und auch bewundert hat. Ich glaube es ist einfach wichtig in der Partnerschaft jemanden zu haben, der hinter einem steht und dass man auch nur so erfolgreichsein kann. In unserem Fall ist es so, dass auch er kreativ ist und Fotograf ist und dass wir auch gemeinsame Projekte umsetzen. Insofern ist das auf einer wunderschön inspirierenden Basis.

YS: Nocheinmal bestärkend, da ist jemand, der diese Passion teilt.

Eva Poleschinski: Absolut. Er teilt auch mit mir diese Leidenschaft und er sieht, wie sehr es mich erfüllt und insofern erfüllt es mich und uns.

YS: Die Modewelt ist ein sehr toughes Business. Wer bestimmt letztendlich was “en vogue” ist und was Trend ist. Wer hat die Fäden in der Hand?

Eva Poleschinski: Jeder, der “Ein Teufel trägt Prada” gesehen hat, hat dafür ein Gespür. Aber es sind natürlich die Trend Scouts, die Redakteure und die Designer. Eigentlich entwickeln wir ja die Trends der nächsten 3 Jahre. Das wiederum beeinflusst, was in den Läden hängt.

YS: Welches ist Ihr liebstes Kleidungsstück?

Eva Poleschinski: Da gibt es viele! Dadurch, dass ein Stück “Eva” in jedem Kleidungsstück steckt, habe ich viele Lieblingsteile. Ich kann das gar nicht so sagen. Ich werde auch oft gefragt, welches Kleidungsstück jeder zu Hause haben muss. Es ist ein bisschen schwierig, denn jeder hat einen anderen Alltag, ein anderes Ich. 

"Ich schwöre auf Teile, wo man sich wohl fühlt. Ich glaube, man merkt dem Gegenüber an, wenn es sich nicht wohl fühlt oder wenn es nicht authentisch ist.

Man strahlt das einfach aus, wenn man sich wohl fühlt."

YS: Zum Abschluss bitte ich Sie noch die Sätze zu vervollständigen:

Am liebsten esse ich… Strudel.

Die beste Entscheidung meines Lebens war…dass ich mich selbständig gemacht habe

Ich verlasse das Haus nie ohne… vor Corona war es Make up, jetzt ist es die Maske.

Erfolg heißt für mich... die persönlichen Ziele zu erreichen.

Humor ist für mich… ein Lebenselixier.

Meine letzten Worte sollen sein… dass ich mir selber treu geblieben bin.

Traurig bin ich wenn,…  ich persönlich enttäuscht werde.

Älter werden heißt… mehr Erfahrung zu haben und gelassener zu sein.

Zuletzt gelacht habe ich als… wahrscheinlich vor 2 Minuten.

Wenn ich nicht Designerin geworden wäre... Die Frage stellt sich nicht, weil ich glücklich bin.


Vielen Dank für diesen interessanten Einblickin die Welt der Mode, in Ihren Business Alltag und vor allem Ihre Kollektionen, ein Stück weit näher kennen lernen zu dürfen.

Wien, Februar 2021

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